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Jahresrückblick

Am Anfang des Jahres hatte ich das erste Mal das Gefühl, nicht dort zu sein, wo ich sein wollte. Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, ich habe immer einfach nur fotografiert und getan, was mir mein Bauch gesagt hat. Plötzlich war ich an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkam. Ich reflektierte das vergangene Jahr und hinterfragte plötzlich meine Arbeit. Ich fing an mich intensiv mit anderen zu beschäftigen und verlor immer mehr mich selbst. Ich sah plötzlich nach links und rechts und gar nicht mehr gerade aus. Ich nahm unglaublich viele Stile von den unterschiedlichsten Künstlern wahr, habe sie nicht einfach nur bewundert und fand sie schön, sondern fing an mich mit ihnen zu vergleichen. Und daraus resultierte eine extreme Unsicherheit. Was will ich eigentlich? Wie möchte ich fotografieren? Welcher Stil ist meiner? Was passt zu mir, wer bin ICH als Fotografin? Überall wird dir nahegelegt, wie wichtig es ist deinen eigenen Stil zu finden. Und gleichzeitig wirst du bombardiert mit Presets von allen möglichen Fotografen, mit Workshops, mit Online Kursen und Tipps und Tricks darüber wie andere arbeiten. In meiner Unsicherheit fing ich an zu konsumieren. Ich habe Presets gekauft, einen Workshop besucht, Online Kurse gekauft, etliche Tutortials angesehen, PDFs durchforstet und habe mir währenddessen immer mehr den Kopf zerbrochen. Und es wurde nicht klarer, sondern immer verwirrender. Ich war ehrlich einfach nur müde. Müde von meinem inneren Chaos. Am Ende würde ich nicht sagen, dass mir all das nichts gebracht hat und ich mich um das Geld und den Aufwand ärgere. Im Gegenteil: Jetzt, am Ende des Jahres weiß ich, dass all das nötig war um dorthin zu finden wo ich heute bin. Ich bin vielleicht immer noch nicht ganz angekommen und natürlich entwickelt man sich immer weiter, was ja auch gut und wichtig ist. Aber ich bin jetzt in der Lage mehr auf mich zu schauen. Mir zwar Inspirationen zu holen, aber mich nicht mehr ständig mit anderen zu vergleichen. Nicht unentwegt nach links und rechts zu sehen und die Mitte zu verlieren. Mir selbst zuzuhören und zu fühlen, was mir ganz persönlich und ehrlich wichtig ist. Mich nicht daran zu orientieren was andere schön finden. Und vor allem: Mir nicht mehr permanent den Kopf zu zerbrechen und mir selbst damit zu schaden. Ich bin einfach entspannter. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht allein damit bin, dass es noch viele andere gibt, denen es ganz genauso ging oder geht wie mir. Warum ich so offen bin? Weil nichts falsch daran ist, es einfach mal laut auszusprechen.

Nichts kann einem die Tür zu sich selber besser öffnen als ein Spaziergang durch schlechtes Wetter. (Mark Twain)

Im Mai habe ich eine Hochzeit begleitet, die mir die Augen geöffnet hat. Nach all dem Chaos in mir, hatte ich das erste Mal das Gefühl klar zu sehen. Ich gehe immer mit dem selben Gedanken auf Hochzeiten oder andere Shootings: "Ich gebe mein Bestes!". Auf dieser Hochzeit war es auch so, aber das Gefühl war ein anderes. Ich war nicht mehr so voller Erwartungen. Ich hatte keine Bilder mehr im Kopf, keine Szenarien. Ich war einfach frei von allem Druck, den ich mir vorher gemacht habe. Meine Arbeit war deshalb keine andere, die Fotos genauso gut wie die der anderen Hochzeiten. Aber meine Einstellung dazu war eine andere. Als ich nach der Hochzeit an meinem Notebook saß um die Bilder zu sichten, war ich ehrlich - so dramatisch es klingt - unendlich glücklich. Weil es sich großartig angefühlt hat, einfach zu fotografieren. Einfach zu handeln und nicht mehr darüber nachzudenken und vor allem zufrieden zu sein. Mit dem, wie ich das alles gemeistert habe und was dabei rausgekommen ist. Ab diesem Moment ging es nur noch bergauf.

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Meine ganz persönlichen Highlights in diesem Jahr:

• Großartige Menschen sind in mein Leben getreten, die ich nicht mehr missen möchte
• der wichtige Austausch mit soo vielen tollen Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Land
• Meine Urlaube in Dänemark. Ich habe mich unsterblich in dieses Land verliebt
• Meine ganz eigene Website und
Dennis, der sie für mich umgesetzt hat, DANKE
• mein Shooting mit
Alina. Weil ich mich getraut habe
• Das Gefühl, ganz viel richtig gemacht zu haben

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Auch wenn mein Jahr ein paar Tiefschläge hatte, kann ich heute - am Ende des Jahres - ehrlich sagen, dass es eines meiner liebsten bisher war. Es war ein Auf und Ab, es ist unfassbar viel passiert. Sehr viel Gutes, sehr viel Neues und Wichtiges und ein paar richtig miese Sachen, aber insgesamt ging es mir wirklich gut. Und wenn ich heute daran zurück denke, welche tollen Menschen ich kennenlernen durfte, was für wunderschöne Hochzeiten ich begleitet habe und wie viele unglaublich tolle Shootings ich umsetzen durfte, bin ich einfach nur dankbar. Dankbar für dieses große Vertrauen, das man mir schenkt. Dankbar für all die neuen Erfahrungen, für neue Bekannte, neue Freunde, für so viel Spaß an dem, was ich tun darf. Ich LIEBE es heute mehr denn je und freue mich deshalb unfassbar auf das neue Jahr und auf alles, was da kommt.

Jetzt sitze ich hier, am 31.12.2017, mit einer fetten Rachenentzündung, Schnupfen und Kopfschmerzen (Danke an das kleine zuckersüße Monster, das mich angesteckt hat, das war es mir wert!) und freue mich auf einen gemütlichen Abend auf der Couch mit meinem Lieblingsmenschen und ganz viel leckerem Essen, das ich sowieso nicht schmecken kann. Mein Jahresrückblick war irgendwie ganz schön ernst und ganz schön lang, aber ich hatte auch eine Menge zu sagen...
Macht es gut Ihr lieben Menschen, kommt gut in das neue Jahr, bleibt gesund und passt auf Euch auf!

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